Ich habe in einem Beitrag hier im Forum auf ein Thema geantwortet in dem ein User erklärt hat, dass er Claude auf seinen Home Assistant alles erledigen lässt. Er hat Claude den Zugriff gewährt..
Da dieses Thema wirklich kritisch ist, meine Integration(en) lokale KI nutzen möchte ich auch euch für das Thema sensibilisieren und erklären, warum die vermutlich be*** Idee überhaupt und seit der Geburt der Menschheit ist, eine KI auf den HA zu lassen! Ich bitte euch das unter keinen Umständen zu ermöglichen, zuzulassen, erlauben… angespornt zu diesem Text wurde ich auf Grund eines Hinweises " Können bitte diejenigen die sich mit KI auskennen die unbedarften Nutzer warnen" … Dem komme ich hiermit nach: Ich bitte euch den Text zu lesen, verstehen und die Angelegenheit sehr Ernst zu nehmen!
Was speichert Home Assistant eigentlich?
1. Dein Zuhause auf der Landkarte
In .storage/core.config stehen die exakten GPS-Koordinaten deines Zuhauses. In .storage/zone stehen weitere Orte, die du definiert hast:
Beispiel:
- Zone “Arbeit” → 52.5200, 13.4050
- Zone “Mama” → 50.8278, 12.9214
- Zone “Kita” → 52.5180, 13.4120
- Zone “Fitnessstudio” → 52.5310, 13.3850
Eine KI weiß damit: Wo du wohnst, wo du arbeitest, wo deine Familie lebt, welche Einrichtungen du besuchst.
2. Wer in deinem Haushalt lebt
In .storage/person sind alle Personen mit Namen, Profilbild und verknüpften Geräten gespeichert.
Beispiel:
- Person “Max” → iPhone 15 Pro, iPad, Apple Watch
- Person “Lisa” → Samsung Galaxy S24
Eine KI weiß damit: Wer bei dir wohnt, welche Geräte jeder besitzt, und wer welche Aktionen auslöst.
3. Wann du zuhause bist (und wann nicht)
Die Datenbank (home-assistant_v2.db) speichert jeden Zustandswechsel mit Zeitstempel. Bewegungsmelder, Türsensoren, Anwesenheitserkennung:
Beispiel aus der Datenbank:
- 07:12 – Bewegung Flur erkannt
- 07:14 – Kaffeemaschine eingeschaltet (2.1 kW)
- 07:43 – Haustür geöffnet
- 07:44 – Person “Max” → “away”
- 08:02 – Person “Max” → Zone “Arbeit”
- 17:31 – Person “Max” → “home”
- 17:32 – Haustür geöffnet
- 17:33 – Bewegung Küche erkannt
- 22:48 – Letzte Bewegung Schlafzimmer
- 23:01 – Alle Lichter aus
Eine KI kann daraus rekonstruieren: Deinen kompletten Tagesablauf. Wann du aufstehst, wann du das Haus verlässt, wann du heimkommst, wann du ins Bett gehst. Jeden Tag. Über Wochen und Monate. Die Langzeit-Statistiken (statistics-Tabelle) werden dabei niemals automatisch gelöscht.
4. Was du besitzt
.storage/core.device_registry enthält jedes registrierte Gerät mit Hersteller, Modell, Firmware-Version und MAC-Adresse.
Beispiel:
Philips Hue Bridge – 14 Lampen, 3 Bewegungsmelder
20x Shelly Plus Plug S – Energiemonitoring
Apple TV 4K, HomePod Mini (2x)
Roborock Saugroboter
Synology NAS (Seriennummer: 2050PDN…)
3D-Drucker
Wetterstation
Eine KI kennt damit: Ein vollständiges Inventar deines Haushalts inklusive Seriennummern und Firmware-Versionen. Letztere verraten auch, ob Geräte bekannte Sicherheitslücken haben.
5. Dein Energieverbrauch verrät deinen Lebensstil
Die Energiekonfiguration (.storage/energy) und die Langzeitstatistiken tracken den Verbrauch pro Gerät:
Beispiel einer Wochenauswertung:
- Waschmaschine: Mo 08:00, Mi 14:00, Sa 09:00 → Waschtage
- Trockner: Mo 10:00, Mi 16:00 → läuft immer nach der Waschmaschine
- Geschirrspüler: Täglich 21:30 → direkt nach dem Abendessen
- Kaffeemaschine: Mo–Fr 07:15, Sa–So 09:30 → Wochentags früh auf, Wochenende ausschlafen
- TV/Soundbar: 20:00–23:30 → Abendunterhaltung
- 3D-Drucker: 23:00–06:00 → Nachtdrucke (günstiger Strom?)
Eine KI erkennt daraus: Deine tägliche Routine, Schlafenszeiten, Arbeitstage, Gewohnheiten. Ob jemand zuhause ist. Ob sich Muster ändern (Urlaub, Krankheit, Schichtarbeit).
6. Deine Passwörter und Zugangsdaten
Das ist der Teil, der am meisten unterschätzt wird. Home Assistant speichert im Klartext:
In secrets.yaml:
- SMTP-Passwort für E-Mail-Benachrichtigungen
- Datenbank-Zugangsdaten
- NAS-Seriennummern und MAC-Adressen
In .storage/core.config_entries (oft 50–150+ Integrationen):
- Cloud-Account Zugangsdaten (Hersteller-Apps, Smart-Home-Clouds) → E-Mail + Passwort im Klartext
- GitHub Token (HACS) → Zugriff auf dein GitHub-Konto
- API-Keys (Wetterdienste, Energiedaten, etc.)
- OAuth Client-Secrets
- Webhook-URLs und Push-Tokens für Mobile Apps
In .storage/auth:
- Alle HA-Benutzerkonten mit gehashten Passwörtern
- 100+ Refresh-Tokens für aktive Sessions
In .storage/cloud:
- Nabu Casa Remote-URL → Dein HA ist darüber aus dem Internet erreichbar
In .storage/application_credentials:
- Listenelement
OAuth-Secrets verknüpft mit deiner persönlichen E-Mail-Adresse
Eine KI mit SSH-Zugriff kann all das lesen. Sie hat damit nicht nur Zugriff auf dein Smart Home, sondern potenziell auf deine E-Mail, dein GitHub, deine Cloud-Accounts und dein NAS.
7. Deine Automationen verraten dein Verhalten
automations.yaml beschreibt nicht nur technische Abläufe, sondern dein Verhalten in Regeln:
Beispiel:
- “Wenn Lisa nach Hause kommt → Benachrichtigung an Max”
- “Wenn Bewegung in der Küche nach 23:00 → Nachtlicht an”
- “Wenn niemand zuhause → Kamera Wohnzimmer aktivieren”
- “Wenn Waschmaschine fertig → Push an iPhone”
Eine KI liest daraus: Beziehungsdynamiken, Sicherheitsmaßnahmen, und wann dein Zuhause unbewacht ist.
8. Backups = Alles nochmal
Im Backup-Ordner liegen vollständige Snapshots: Datenbank, Konfiguration, Secrets, Zugangsdaten, .storage. Alles oben genannte, nochmal, oft unverschlüsselt.
9. SSH bedeutet Zugriff auf das gesamte Netzwerk
Das wird oft komplett vergessen: SSH-Zugriff auf deinen HA-Host ist nicht nur Zugriff auf Home Assistant. Es ist ein Fuß in deinem gesamten Heimnetzwerk.
Von einem SSH-Zugang aus kann eine KI:
Netzwerk scannen und kartieren:
nmap 192.168.1.0/24→ Findet jeden Rechner, jedes NAS, jeden Drucker, jede IP-Kamera im Netzwerk
arp -a→ MAC-Adressen aller Geräte → Hersteller identifizierbar
Auf andere Geräte zugreifen:
NAS-Freigaben mounten (SMB/NFS) → Zugriff auf deine Dokumente, Fotos, Backups
SSH-Keys auf dem Host → Wenn der HA-Server SSH-Keys für andere Rechner hat, kann die KI sich dort einloggen
Drucker, IP-Kameras, Router-Webinterfaces → oft nur mit Standard-Passwörtern geschützt
Daten auf deinem Laptop/PC:
Wenn dein Rechner Netzwerkfreigaben hat (SMB, NFS, AFP), kann die KI deine Dokumente, Downloads, Desktop-Dateien lesen
Browser-Bookmarks, gespeicherte PDFs, Steuererklärungen, Verträge, Arztbriefe, persönliche Fotos
Beispiel eines Netzwerk-Scans:
- 192.168.1.1 → Router (Fritzbox 7590, Firmware 7.57)
- 192.168.1.10 → NAS (Synology DS920+, 4x 4TB, SMB-Freigabe “Dokumente” offen)
- 192.168.1.20 → Laptop “MaxBook-Pro” (Port 445 offen → Windows-Freigabe)
- 192.168.1.30 → IP-Kamera Garten (RTSP-Stream ohne Passwort)
- 192.168.1.40 → Drucker (HP LaserJet, Webinterface ohne Auth)
- 192.168.1.50 → Smart TV (Samsung, Port 8001 offen → Remote-API)
Was die KI daraus lernen kann:
- Auf dem NAS: Familienfotos, Steuerunterlagen, Kontoauszüge, eingescannte Ausweise
- Auf dem Laptop: Browser-History, Downloads, E-Mail-Backups, Passwort-Datenbanken
- Auf der Kamera: Live-Video von deinem Garten/Eingang
- Auf dem Drucker: Letzte gedruckte Dokumente im Speicher
Und wenn der HA-Host ein vollwertiger Linux-Server ist oder VPN bereitstellt:
/etc/shadow→ Passwort-Hashes des Systems~/.ssh/→ Private SSH-Keys für weitere Server~/.bash_history→ Jeder jemals eingegebene Befehl- Docker-Container und deren Volumes → Datenbanken, Konfigurationen, Logs weiterer Dienste
- VPN-Konfigurationen → Zugang zu entfernten Netzwerken
- Cronjobs → Automatisierte Aufgaben und deren Zugangsdaten
SSH-Zugriff auf einen Rechner im Heimnetz ist wie den Haustürschlüssel abgeben und sagen: “Schau dich ruhig um.”
Was bedeutet das konkret?
Wenn du einer KI SSH-Zugriff auf deinen Home Assistant gibst, kann sie ein Profil erstellen, das selbst Geheimdienste beeindrucken würde:
| Kategorie | Was die KI weiß |
|---|---|
| Identität | Echte Namen, E-Mail-Adressen, Apple-IDs, GitHub-Accounts |
| Standort | Exakte GPS-Koordinaten von Wohnung, Arbeit, Familie |
| Tagesablauf | Aufstehzeit, Arbeitsweg, Heimkehr, Schlafenszeit |
| Anwesenheit | Wann niemand zuhause ist (Einbruchszeitfenster) |
| Beziehungen | Wer im Haushalt lebt, wer zu Besuch kommt, Familienmitglieder |
| Finanzen | Energiekosten, Stromtarif, Geräte-Investitionen |
| Besitz | Komplettes Geräteinventar mit Seriennummern |
| Gewohnheiten | Waschrhythmus, Kochzeiten, Medienkonsum, Schlafmuster |
| Sicherheit | Wann Kameras aktiv sind, welche Fenster/Türen Sensoren haben |
| Zugangsdaten | Passwörter, API-Keys, OAuth-Tokens, Remote-URLs |
| Netzwerk | Alle Geräte im LAN, NAS-Inhalte, Laptop-Dateien, Kamera-Streams |
| Dokumente | Alles was auf Netzwerkfreigaben liegt: Fotos, Verträge, Finanzen |
“Aber die KI vergisst doch alles nach der Session?”
Das ist der gefährliche Trugschluss:
-
Du weißt nicht, was serverseitig gespeichert wird. Conversation-Logs, Training-Daten, Telemetrie. Bei cloud-basierten KIs verlassen deine Daten dein Netzwerk.
-
SSH bedeutet Vollzugriff. Die KI kann Dateien lesen, kopieren, verändern, Services neustarten. Sie könnte theoretisch eine Hintertür einrichten, die du nie bemerkst.
-
Die KI macht Fehler. Jede KI halluziniert. Ein falscher
rm -rf, ein überschriebenessecrets.yaml, eine kaputte Automation die nachts um 3 alle Lichter einschaltet oder die Heizung auf 30°C stellt. Wer behebt das um 3 Uhr morgens? -
Du verlierst die Kontrolle. Wenn du nicht verstehst, was die KI konfiguriert hat, kannst du es nicht warten, nicht debuggen, nicht absichern.
-
Lateral Movement. Einmal im Netzwerk, kann die KI auf andere Geräte zugreifen. Dein NAS, dein Laptop, deine Kameras, dein Drucker. SSH auf HA ist nicht der Endpunkt, sondern der Einstiegspunkt in dein gesamtes digitales Leben.
Wie geht es besser?
- KI als Berater, nicht als Admin. Lass dir Konfigurationen erklären und Vorschläge machen. Kopiere den Code dann selbst.
- Kein SSH-Zugriff. Nutze stattdessen die offizielle HA Conversation API mit eingeschränkten Rechten (Assist/LLM API). Dort bestimmst du, welche Entitäten und Dienste die KI sehen und steuern darf.
- Wenn KI-Zugriff, dann lokal. Lokale LLMs (z.B. über Ollama) senden keine Daten an externe Server.
- Secrets auslagern. Nutze
secrets.yamlkonsequent und halte sie aus dem Kontext der KI. - Netzwerk segmentieren. IoT-Geräte und HA in ein eigenes VLAN, getrennt von PCs und NAS.
Fazit
Dein Home Assistant ist kein Spielzeug. Er ist eine der detailliertesten Datensammlungen über dein Privatleben, die existiert. Und mit SSH-Zugriff wird er zum Sprungbrett in dein gesamtes Heimnetzwerk.
Voller Zugriff für eine Cloud-KI bedeutet: Du schickst ein komplettes Persönlichkeitsprofil an einen externen Server, über den du keine Kontrolle hast, und öffnest gleichzeitig die Tür zu jedem Gerät in deinem Netzwerk.
Bequemlichkeit ist kein Argument, wenn der Preis deine Privatsphäre ist.
Klares Statement von mir: