Zu aller erst einmal:
Es ist ja nicht das primäre Ziel, die Luftfeuchtigkeit zu senken, sondern die Feuchtigkeit der Bausubstanz. Also Boden, Decke und Wände. Das funktioniert nur dann, wenn die Feuchtigkeit aus dieser in die Luft übergehen und abtransportiert werden kann.
Daher ist es nicht nur das Ziel, die Luftfeuchtigkeit so klein wie möglich zu halten, sondern, sie so klein zu halten, daß das Wasser aus der Bausubstanz in die Luft übergehen kann. Da kommt der Taupunkt ins Spiel.
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der das in der Luft enthaltene Wasser an der Bausubstanz kondensiert und am Ende in diese eindringt.
Daher ist die Temperatur der Wand ein wichtiger Teil einer Taupunktlüftung. Es bringt nämlich nur wenig, die Luftfeuchtigkeit so klein wie möglich zu halten, sie muss auch so klein sein, daß die Feuchtigkeit aus der Wand in die Luft übergehen kann.
Alles, was diese Gegebenheiten nicht berücksichtigt, ist eigentlich nur stochern im Nebel und oft wenig zielführend.
- Zuerst einmal brauchst du die tatsächlichen Werte (Temperatur, Luftfechtigkeit und Taupunkt) der angesaugten Luft, der Kellerluft und die Temperatur der Bausubstanz. Du brauchst dieese Daten einmal außen, dort wo die Luft angesaugt wird.
- Den Taupunkt der Luft kann man nicht messen, sondern errechnet ihn aus der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur.
- Um einen vernünftigen Luftdurchsatz und einen gezielten Luftstrom zu bekommen, solltest du anhand deiner Gegebenheiten überlegen, wo die Luft entlang strömen soll und auch in welche Richtung sie strömen soll. Zudem ist es einfacher, einen gezielten Luftstrom zu bekommen und aufrecht zu erhalten, wenn ein Lüfter rein und der andere raus bläst.
- Es bringt nichts, die Luft irgendwo zu entfeuchten. Steht der Luftentfeuchter in dem Raum, in dem ein Lüfter sie gleich wieder aus dem Haus bläst, ist das kontraproduktiv. Der sollte entweder in dem Raum stehen, wo die Luft ins Haus kommt, um die angesaugte Luft schon noch etwas trockener zu machen, oder zwischen den beiden Lüftern, wo die Luftfeuchtigkeit durch aufgenommene Feuchtigkeit schon so groß geworden ist, daß die Luft keine Feuchtigkeit mehr aus den Wänden ziehen kann, damit sie wieder mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann.
in Vorfeld solltest du also erst mal mehrere Werte ermitteln:
- an welcher Stelle ist die Aussenluft am trockensten? Also wo ist der Taupunkt am geringsten. Dort sollte die Luft in den Keller kommen und das entscheidet letztendlich darüber, wie herum die Lüfter arbeiten müssen.
- an welcher Stelle ist die Bausubstanz am kältesten? Dort sollte die Temperatur von Wand, Decke oder Boden gemessen werden. Diese Temperatur, besser natürlich so weit wie möglich darunter, ist der Zieltaupunkt, denn wenn der Taupunkt der Luft größer ist, als diese Temperatur, kondensiert dort die Feuchtigkeit der Luft und dringt in die Bausubstanz.
Diese beiden Dinge sollte man im Vorfeld durch mehrere Messungen ermitteln. Die Luftwerte außen bei den Lüftern am besten über mehrere Tage/Wochen/Monate hinweg. Die kälteste Stelle im Keller kann man mit einer Thermokamera oder einfach einem Thermometer suchen.
Ich würde für die Messungen mehrere ESP8266 mit ESPHome einsetzen. Mit einem DHT20 hat man sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit mit einem Sensor und kann dann den Taupunkt errechnen. So eine Einheit aus D1 mini und DHT20 kostet nicht viel und der Aufwand sie zu bauen hält sich in Grenzen. Man braucht dafür allerdings WLAN und Strom in der Nähe.
Die kann man auch im Vorfeld benutzen, um die trockenere Stelle zum Ansaugen zu finden.
Durch die Serienstreuung, gerade der eher billigeren Sensoren ist es erforderlich, diese zu kalibrieren. Dabei ist nicht die absolute Genauigkeit wichtig, sondern eher, daß sie alle die gleichen Werte ausgeben.
Das geht ganz gut, indem man sie alle zusammen, möglichst nah beieinander, in einen Eimer mit Deckel steckt und die Luft darin mit einem kleinen PC-Lüfter umwälzt. Mit Eis auf dem Deckel des Eimers kann man die Luft darin abkühlen und mit einem Heizlüfter, der indem man den Eimer einfach in die Sonne stellt, erwärmen.
Dann pickt man sich einen Sensor heraus, dem man die richtigsten Werte zutraut oder misst mit einem möglichst genauen Messgerät die realen Werte und bringt die Ausgabewerte der einzelnen Sensoren mit Hilfe von -calibrate linear und -offset so nah zusammen, wie nur möglich.
Der Code für den ESP sieht bei mir so aus:
sensor:
- platform: aht10
variant: AHT20
temperature:
name: "Temperatur Schlafzimmer"
id: sz_temp
icon: mdi:thermometer
device_class: temperature
unit_of_measurement: °C
filters:
- offset: -3.23
humidity:
name: "Luftfeuchtigkeit Schlafzimmer"
id: sz_hum
icon: mdi:WaterPercent
device_class: humidity
unit_of_measurement: "%"
filters:
- offset: -2.14
update_interval: 30s
- platform: template
name: "Taupunkt Schlafzimmer"
id: sz_taupunkt
lambda: |-
return (243.5*(log(id(sz_hum).state/100)+((17.67*id(sz_temp).state)/
(243.5+id(sz_temp).state)))/(17.67-log(id(sz_hum).state/100)-
((17.67*id(sz_temp).state)/(243.5+id(sz_temp).state))));
unit_of_measurement: °C
icon: 'mdi:thermometer-alert'
filters:
- filter_out: NaN
device_class: moisture
Für meine Anwendung hab ich nur einen Offset eingetragen, aber genauer ist es, die Werte mit -calibrate linear zu korrigieren.
Sensor Component — ESPHome (weiter unten bei “Sensor Filters”)