Solar Forecast ML – Adaptive Forecast
Was passiert wenn ich Adaptive Forecast in den Optionen ausgewählt habe?
Jeden Mittag um 12:30 Uhr führt Solar Forecast ML einen besonderen Forecast-Lauf durch – den Adaptive Forecast. Er ist der einzige Forecast-Lauf des Tages, der die echte Produktion des heutigen Vormittags kennt und gezielt nutzt.
2026-03-01 06:07:50.601 INFO • Adaptive forecast: Daily at 12:30
Das Konzept dahinter ist einfach aber wirkungsvoll: Um 12:30 Uhr ist der Vormittag vorbei. Das Modell weiß jetzt, wie viel die Anlage heute wirklich produziert hat – und kann diese Information nutzen, um die Nachmittagsprognose deutlich zu verbessern.
Warum reicht die Morgenprognose nicht für den ganzen Tag?
Der Final Forecast um 06:25 Uhr (30 Minuten vor Sonnenaufgang) ist die beste Prognose, die mit den Wetterläufen am Morgen möglich ist. Er basiert auf:
- Wetterdaten vom frühen Morgen
- Historischen Produktionsmustern
- Gestrigem Ertrag als Referenz
Wetter ist unberechenbar – eine Wolkenfront kann früher oder später als vorhergesagt ankommen, Nebel kann länger anhalten als erwartet, oder der Morgen war überraschend sonniger als prognostiziert. Um 06:25 Uhr sind das alles noch Unbekannte.
Um 12:30 Uhr ist das anders:
Morgenproduktion Stunden 7–12 → echte Messwerte vorhanden
Nachmittagsproduktion Stunden 13–19 → noch Prognose
Der Adaptive Forecast kombiniert echte Messwerte mit aktuellen Wetterdaten und berechnet daraus eine deutlich präzisere Prognose für den restlichen Tag.
Was passiert konkret um 12:30 Uhr?
Schritt 1 – Morgendliche Ist-Produktion einlesen
Das System liest die tatsächlich gemessene Produktion seit Sonnenaufgang aus der Datenbank:
Adaptive Forecast: Loading actual production for hours 7–12...
Hour 07: 0.05 kWh (actual measured)
Hour 08: 0.44 kWh (actual measured)
Hour 09: 1.06 kWh (actual measured)
Hour 10: 0.28 kWh (actual measured)
Hour 11: 0.32 kWh (actual measured)
Hour 12: 0.49 kWh (actual measured)
→ Morning total: 2.64 kWh (forecast was: 2.91 kWh)
Das ist der entscheidende Unterschied zu allen anderen Forecast-Läufen: Hier fließen keine Schätzungen für den Vormittag ein – nur echte, gemessene Werte.
Schritt 2 – Morning Deviation Check (MDC): 5 Kriterien
Bevor das System irgendetwas anpasst, prüft der Morning Deviation Check fünf Kriterien. Nur wenn alle erfüllt sind, wird die Nachmittagsprognose korrigiert. Das verhindert unnötige Korrekturen bei normalen Schwankungen.
Kriterium 1 – Abweichung über Schwellenwert
Die Abweichung zwischen tatsächlicher und prognostizierter Morgenproduktion muss zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllen:
- Die prozentuale Abweichung muss den konfigurierten Schwellenwert überschreiten
- UND die absolute Abweichung muss über einem dynamischen Mindestwert liegen
Der dynamische Schwellenwert ist wichtig: An einem schwachen Wintertag mit 1,5 kWh Tagesprognose würde eine Abweichung von 0,1 kWh prozentual groß wirken, ist aber für Automationen irrelevant. An einem starken Sommertag mit 8 kWh Prognose wäre 0,1 kWh hingegen bedeutungslos. Das System skaliert den Schwellenwert automatisch mit der Anlagengröße.
Beispiel:
Morgenprognose: 2.91 kWh
Ist-Produktion: 2.64 kWh
Abweichung: -0.27 kWh (-9.3%)
→ Prozentual: 9.3% > Schwellenwert ✓
→ Absolut: 0.27 kWh > dynamischer Mindestwert ✓
→ Kriterium 1: ERFÜLLT
Kriterium 2 – Keine aktive Sondersituation
Ist eine Special Situation aktiv (z.B. Schnee auf den Panels, Wartungsarbeiten, manuell gesetzter Override), findet keine Korrektur statt.
Der Grund:
In solchen Situationen ist die Morgenabweichung nicht durch das Wetter erklärbar, sondern durch einen externen Einfluss. Eine Korrektur auf Basis dieser Daten würde das Modell in die falsche Richtung ziehen.
Beispiel:
Special Situation: None
→ Kriterium 2: ERFÜLLT
Special Situation: snow_on_panels (aktiv)
→ Kriterium 2: NICHT ERFÜLLT → keine Korrektur
Kriterium 3 – Genug Restzeit bis Sonnenuntergang
Es müssen noch mindestens X- Stunden bis Sonnenuntergang verbleiben.
Wenn es um 12:30 Uhr bereits fast dunkel wäre (z.B. sehr kurze Wintertage in nördlichen Breiten), lohnt sich eine Korrektur nicht mehr – die Nachmittagsprognose betrifft dann nur noch minimale Produktionsmengen, die für Automationen kaum relevant sind.
Beispiel (01.03.2026):
Aktuelle Zeit: 12:30
Sonnenuntergang: 17:45
Verbleibend: 5.25 Stunden > Mindeststunden ✓
→ Kriterium 3: ERFÜLLT
Kriterium 4 – Frische Wetterdaten verfügbar
Es muss ein neuerer Wetter-Modelllauf vorliegen als derjenige, der für die Originalprognose (Final Forecast @ 06:25) verwendet wurde.
Das ist ein Qualitätsgatter: Wenn die Wetterdienste seit dem Morgen keine neuen Modelldaten geliefert haben, wäre eine Neuberechnung auf Basis alter Wetterdaten irreführend. Die Nachmittagskorrektur soll auf aktuelleren Informationen basieren – nicht auf denselben Daten wie der Morgenforecast.
Beispiel:
Final Forecast verwendete: Run 2026-03-01 06:00 UTC
Aktuell verfügbar: Run 2026-03-01 12:00 UTC
→ Neuerer Run vorhanden ✓
→ Kriterium 4: ERFÜLLT
Kriterium 5 – Signifikante Bewölkungsänderung
Die Differenz zwischen der prognostizierten Morgen-Bewölkung und der aktuell gemessenen Bewölkung muss größer sein als Jahrezeiten-Prozentpunkte.
Das verhindert Korrekturen bei Prognosen, die eigentlich korrekt waren – nur die Produktion schwankte leicht aus anderen Gründen (z.B. kurze Schattenwürfe, Temperaturschwankungen).
Bypass bei extremer Produktionsabweichung:
Wenn die tatsächliche Produktion mehr als 100% von der Prognose abweicht UND die absolute Differenz > 0,5 kWh beträgt, wird dieses Kriterium automatisch übersprungen.
Die Begründung:
Wenn die reale Produktion so drastisch von der Prognose abweicht, beweist das von selbst, dass die Prognose falsch war – unabhängig davon, was die Bewölkungsdaten sagen.
Beispiel A (Kriterium erfüllt):
Prognostizierte Bewölkung Morgen: 55%
Gemessene Bewölkung aktuell: 82%
Differenz: 27 Prozentpunkte > Schwellenwert ✓
→ Kriterium 5: ERFÜLLT
Beispiel B (Bypass):
Abweichung: +130% (Anlage produziert doppelt so viel wie erwartet)
Absolute Differenz: 1.2 kWh > 0.5 kWh
→ Extremfall: Kriterium 5 wird übersprungen ✓
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### Schritt 3 – Nachmittagsprognose adaptieren
**Sind alle fünf Kriterien erfüllt**, berechnet das Modell die Nachmittagsprognose neu – **unter Berücksichtigung der Morgenabweichung** und der aktuell frischen Wetterdaten
**Wichtig:**
Die Morgenabweichung wird **nicht 1:1 auf den Nachmittag übertragen**. Das Modell gewichtet den Faktor und berücksichtigt, ob die aktuellen Wetterdaten für den Nachmittag eine Verbesserung oder Verschlechterung gegenüber dem Morgen signalisieren.
### Schritt 4 – Tagesprognose aktualisieren
Adaptive Forecast complete:
Today revised: 5.52 kWh (was: 5.76 kWh at 06:25)
Morning actual: 2.64 kWh (locked – nicht überschreibbar)
Afternoon forecast: 2.88 kWh (updated)
Method: AI + Physics (adaptive mode)
Lock: Morning hours LOCKED, afternoon hours UPDATED
Die Morgenstunden bleiben gesperrt – sie sind Messungen, keine Prognosen, und werden nicht verändert.
Nur die Nachmittagsstunden (ab aktueller Stunde) werden mit den neuen Werten überschrieben. Das Dashboard und alle Automationen sehen sofort die aktualisierte Tagesprognose.
Warum 12:30 Uhr?
Der Zeitpunkt ist kein Zufall – er ist der optimale Kompromiss:
Früher wäre schlechter: Um 10:00 Uhr sind erst 2–3 Stunden Produktion bekannt. Zu wenig Datenpunkte für eine zuverlässige Trendanalyse – der Mittelwert schwankt noch stark.
Später wäre nutzloser: Um 15:00 Uhr ist der Großteil der Tagesproduktion bereits geschehen. Eine aktualisierte Prognose für die letzten 2–3 Sonnenstunden bringt kaum noch Mehrwert für Automationen.
12:30 Uhr ist ideal, weil:
- Die Hälfte der Tagesproduktion liegt als echte Messung vor (Stunden 7–12)
- Die andere Hälfte liegt noch in der Zukunft (Stunden 13–18)
- Wetterdaten aus dem Mittag sind frisch und präzise
- Automationen (Batterieladen, Einspeisung) haben noch genug Zeit zu reagieren
Adaptive Forecast vs. die anderen Forecast-Läufe
| Forecast | Uhrzeit | Datenbasis | Stärke |
|---|---|---|---|
| Early Morning | 00:30 | Nur historisch + Wetter vom Vorabend | Erste Orientierung für den Tag |
| Final Forecast | 06:25 | Frische Wetterdaten vor Sonnenaufgang | Beste Prognose vor Produktionsbeginn |
| Adaptive Forecast | 12:30 | Echte Morgenproduktion + aktuelle Wetterdaten | Präziseste Nachmittagsprognose |
| Hourly Update | jede :05 | Live-Sensordaten | Feine Anpassung Stunde für Stunde |
Der Adaptive Forecast ist damit der präziseste Einzelforecast des Tages – nicht weil das Modell besser ist, sondern weil es mehr echte Informationen hat als alle anderen Läufe.
Und was ist mit dem Hourly Update?
Eine häufige Frage: Wenn es jeden Stunde ein Update gibt – wozu dann noch ein Mittags-Forecast?
Der Unterschied liegt in der Tiefe der Anpassung:
- Hourly Update (jede :05): Aktualisiert die Prognose auf Basis frischer Sensordaten – schnell, leichtgewichtig, kein vollständiges Modell-Reranking
- Adaptive Forecast (12:30): Führt einen vollständigen Forecast-Durchlauf mit LSTM + Physik durch, analysiert die Morgenabweichung systematisch und passt die Ensemble-Gewichtung für den Nachmittag an
Der Adaptive Forecast ist also kein “größeres Hourly Update” – er ist ein eigenständiger, vollständiger Neubewertungs-Durchlauf mit echter Produktionshistorie des Tages.
Fazit
Der Adaptive Forecast @ 12:30 ist der Realitätscheck des Tages. Er beantwortet die Frage: “War der heutige Morgen wie erwartet – und was bedeutet das für den Nachmittag?”
| Was er nutzt | Was er verbessert |
|---|---|
| Echte Morgenproduktion (Stunden 7–12) | Nachmittagsprognose (Stunden 13–19) |
| Aktuelle Mittags-Wetterdaten | Tagesgesamtprognose |
| Morgenabweichung als Korrektursignal | Automations-Reaktionsfähigkeit |
Kein manueller Eingriff nötig – der Adaptive Forecast läuft vollständig autonom. Keine Daten verlassen das System.


