So, jetzt ist der Zapfen ab, wie wir hier in der Schweiz sagen würden.
Ich habe nun also die 7 DS18B20 an meinen EDS OW-Server-ENET-2 angeschlossen. Mein temporäres ad-hoc-Entwicklerboard sieht so aus:
Und nein, ich gehe nicht in Serie damit, und es wird auch nicht verkäuflich sein; es ist und bleibt (m)ein Unikat.
Ein erster Blick auf das, was der OW-Server mit dem eigenen Web-Interface zurückmeldet, sieht so aus:

Alle Werte befinden sich im Bereich 24.6C bis 24.9C – bestätigt auch über eine längere Zeitspanne! Also keine Differenzen > 1C wie bei der Verwendung des Shelly Addon.
Allerdings stimmen in der obigen Liste die Reihenfolge der Sensoren nicht überein mit denjenigen beim Shelly; beim Shelly hatte ich keinen Zugriff auf die ROM-ID, und via OW-Server braucht man die ROM-ID zur Identifikation des Fühlers.
Hmmm - schlecht lesbar . darum nochmals nachträglich ein aktueller Screenshot (beim Bier in der Tasche). Hier mit korrekter Reihenfolge 1-7.
Zum HA-Anschluss: Nach einigem Würgen konnte ich den OW-Server via REST auslesen (es gibt da verschiedene Möglichkeiten, für REST habe ich halt die einfachsten Beispiele zum adaptieren gefunden).
Zur eindeutigen Identifizierung der Fühler musste ich diese nochmals alle abhängen und einzeln Schritt für Schritt wieder in Betrieb nehmen; so konnte ich deren Beschriftung (Sensor 1-7) mit den korrespondierenden RomId verbinden und im HA dann auch die alten Identifikationen (Sensor 1-7) zuordnen/verwenden.
Die Frage, welche ich mit dem OW-Server primär beantwortet haben wollte, war: hat es mit dem OW-Server immer noch diesen Jitter auf zweien der Sensoren, wenn man mit den Temperaturen runtergeht?
Eine zweite (ungestellte) Frage wurde jedoch sofort wie oben ersichtlich beantwortet: ja, der Shelly-Addon hat ein Problem: der Shelly Addon liefert falsche Werte zurück (oder die Shelly_Integration des HA? Denn ich habe nie überprüft, ob die rapportierten Werte in der HA exakt denjenigen entsprachen, welche der Shelly in seinem eigenen Web-Interface anzeigte. Dieser Frage werde ich aber nicht nachgehen, letztlich ist es egal, ob der Shelly oder die HA-Integration falsche Werte lieferte; falsch ist falsch).
Implizit wurde damit auch die Feststellung eliminiert, dass die Sensoren eine grössere Abweichung hatten als sie gemäss Datenblatt haben dürfen – nein, haben sie nicht – das waren alles falsche Datenlieferungen des Shelly oder der HA.
Nun zum Jitter.
Beim Einsatz des Shelly traten ja diese Jitter permanent auf:
- Ein Jitter trat ja beim Sensor 3 bei 20-25C permanent auf.
- Ein weiterer Jitter trat auf bei den Sensoren 2 und 4 auf, wenn sie von 24C auf 6C runtergekühlt wurden.
Der Messverlauf über mehrere Tage sieht nun so aus:
In der Mitte ein Unterbruch, ganz rechts wieder der Versuch mit dem Kühlelement.
Generell sieht man, dass die Messresultate nun eng beieinander sind. Der Kühlversuch zeigt auch keinen ausufernden Jitter der Sensoren 2 und 4.
Hier der Kühlversuch im Detail
Man sieht während dem Runterfallen der Temperatur eine gewisse Differenz aufgrund unterschiedlich schneller Reaktion - dies dürfte aber der Position der Fühler geschuldet sein, da ich keinen Ventilator in der Kühlbox drin habe.
Jedesmal, wenn ich die Fühler etwas anders gelagert oder geschwenkt habe, haben sich die Temperaturen wieder angenähert.
Zusammenfassend stelle ich jedenfalls fest:
- Der Shelly Addon ist eine praktische Möglichkeit, 1-Wire DS18B20 auf einfache Weise anzuschliessen – ein Shelly+Addon, 220V, ein WLAN, und fertig.
- Leider sind die Messresultate des Shelly Addon nicht zuverlässig, es gibt teils grössere Abweichungen von teils über einem Grad C.
- Die effektive Ursache der Unzuverlässigkeit ist unklar.
- Gegebenenfalls kann man durch Vergleichsmessungen mehrerer DS18B290 bestimmte, genauere Exemplare auswählen.
Leider, auch das ist Fakt, gibt es für einen dezentralen Betrieb von 1-Wire (dh. weit entfernt vom HA) nur wenige Alternativen, und die meisten benötigen dann mehr Aufwand für Installation, Speisung, Kommunikation.
Hier nochmals eine kurze, nicht abschliessende Auflistung / Zusammenfassung der Anschluss-Varianten (dezentral, dh. entfernt vom HA):
- Shelly mit Addon: Es braucht 220V + WLAN, dann kann man bis zu fünf DS18B20 anschliessen, andere 1-Wire-Komponenten können nicht bedient werden. Leider sind die Messresultate des Shelly Addon zweifelhaft, mit starken, unerklärlichen Abweichungen behaftet.
- OW-Server-ENET von EDS. Kann bis zu 21 verschiedene 1-Wire-Komponenten bedienen, offensichtlich präzise, benötigt jedoch eine separate 5V-Speisung (PoE nicht möglich), und einen LAN-Anschluss. Mit etwas Gebastel könnte man wohl einen PoE-Splitter einbauen, denn das Gehäuse hat viel Platz drin.
- Raspberry Pi 3/4/6. Kann 1-Wire direkt am GPIO bedienen, weitere Informationen habe ich nicht. Braucht eine Speisung und WLAN. Der Raspberry Pi Zero braucht dazu anscheinend eine Zusatz-Platine.
- ESP/Arduino solle das auch können. Weitere Informationen habe ich nicht
So, damit lasse ich es mal genug sein.
Wie ich nun mit meinem ursprünglichen Vorhaben, Messen der Wärme-Einstrahlung der Sonne mittels einem silbrigen und schwarzen Fühler, weiterfahre, weiss ich noch nicht. Geplant waren 2 DS18B20 und ein Shelly mit Addon, was sich nun zerschlagen hat.