Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Claude (Anthropic) verfasst. Die Erfahrungen, das Wissen und die Inhalte stammen von mir — Claude hat beim Formulieren, Strukturieren und Finden der richtigen Worte geholfen.
Hausumbau, KNX-Bus, OpenHAB, Frust, Home Assistant, GitOps, KI — und eine Frau, die das Licht im Urlaub selber schalten muss. Meine Reise durch gut fünf Jahre Heimautomation.
TL;DR: Beim Hausumbau KNX und 1-Wire verbaut, mit OpenHABian gestartet und nach einem Jahr genug gehabt. Wechsel auf Home Assistant, erst VM dann Yellow. Heute läuft das ganze Haus über einen GitOps-ähnlichen Workflow mit selbst gehostetem Gitea — von Bad und Wohnzimmer bis Keller und Garten. KI hilft beim Aufräumen und beim Entwickeln neuer Automationen. Das OG wartet noch.
Wie alles begann
Alles startete mit einem Hausumbau. Wenn sowieso die gesamte Elektrik neu gemacht wird, warum dann nicht gleich ordentlich — mit einem KNX-Bus und 1-Wire für die Temperatursensoren. Die Entscheidung fiel, bevor ich wirklich wusste, worauf ich mich einließ.
Den Einstieg machte ich klassisch: ein Testbrett, ein Aktor, ein Sensor — und die Frage, wie das alles eigentlich zusammenspielt. Der ETS-Schnellkurs hat mir dabei sehr geholfen. Die theoretischen Grundlagen habe ich mir parallel über Stefan Heinles Buch „Heimautomation mit KNX, DALI, 1-Wire und Co." erarbeitet — ein solides Fundament, das ich immer wieder aufgeschlagen habe.
Die erste Plattform war OpenHABian auf einem Raspberry Pi 3B, ergänzt durch den I2C-KNX/1-Wire-Adapter von Busware.
Die OpenHAB-Ära: Lernkurve mit Tücken
OpenHAB hat mich eine Menge gelehrt — vor allem Geduld. Die Konfiguration von knxd war frickelig, und der Dienst hörte unvermittelt auf, KNX-Nachrichten mitzulesen. Einmal pro Woche musste der Service neu gestartet werden. Dazu kamen Dashboards, die sich für mich nie wirklich intuitiv anfühlten — nicht weil sie schlecht waren, sondern weil mir das Framework einfach nicht lag.
In dieser Zeit wuchs das Smart-Home-Inventar: MDT-Schaltaktoren, Heizaktoren, Präsenzmelder und LED-Dimmer zogen ein. Über KNX gesellten sich auch Gira-Rauchmelder dazu. Daneben wollte ich TRADFRI-Leuchtmittel mit Fernbedienungen einbinden — was mit OpenHAB zu dem Zeitpunkt schlicht nicht funktionierte.
Irgendwann war die Frustrationsschwelle erreicht. Zeit für einen Wechsel.
Wechsel zu Home Assistant
Der Umstieg begann auf einer VM — um das System kennenzulernen, ohne im Produktivbetrieb zu riskieren. Was mich sofort beeindruckte: die schiere Vielfalt an Integrationen. KNX und 1-Wire liefen auf Anhieb, TRADFRI war kein Problem mehr. Home Assistant fand eigenständig Geräte im Netzwerk und bot sie zur Integration an. Ein amüsanter Nebeneffekt: Er fand auch die smarten Geräte der Nachbarn — inklusive deren Temperatursensoren. Lustig war das nicht wirklich, aber es hat mich für die Netzwerksegmentierung sensibilisiert.
Inzwischen läuft das System auf einem Home Assistant Yellow — dedizierter Hardware, die genau dafür gebaut wurde.
GitOps: Versionskontrolle für das Smart Home
Anfangs arbeitete ich direkt mit dem File Editor und dem Terminal-Add-on im HA-Interface. Kein Backup, keine Versionierung — ich vermute, das kennt hier jeder. Man fängt an, tippt drauflos, und irgendwann kommt der Moment wo eine fehlerhafte Konfiguration das System aus dem Tritt bringt. Dann wünscht man sich, man hätte vorher einen sicheren Stand. Bei mir kam dieser Moment früh genug.
Heute läuft alles über einen GitOps ähnlichen Workflow — ein Ansatz aus der Kubernetes-Welt, bei dem Git die einzige Quelle der Wahrheit ist. Dort übernehmen Tools wie ArgoCD oder Flux den automatischen Abgleich mit dem laufenden System. Hier mache ich das pull noch manuell — aber das Prinzip ist dasselbe:
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Alle Änderungen laufen über Git
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Selbst gehostetes Gitea als Remote-Repository (auf einer eigenen VM)
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Workflow:
git add→commit→pushnach Gitea →pullauf dem HA Yellow -
Rollback per
git restore— reicht in den meisten Fällen vollkommen -
Conventional Commits als Standard:
feat:,fix:,chore:,doc:,style: -
Updates werden als
chore: bump to latest available releasecommittet
Das klingt nach Overhead, ist es aber nicht. Es gibt einem das Gefühl, jederzeit einen sicheren Stand zu haben. Besonders zahlt sich das aus, wenn mal etwas schiefläuft: Eine fehlerhafte Automation, eine Konfiguration die das System aus dem Tritt bringt — ein git revert und alles ist wieder so wie es war. Wer es eilig hat kann auch mit git switch auf einen älteren Stand springen und das Ganze mit git push -f forcieren — aber das ist dann wirklich die Brechstange.
Die Konfiguration: Packages, Räume, Systeme
Die YAML-Konfiguration ist heute nach Räumen und Themenbereichen strukturiert. Jedes Paket bündelt Entitäten, Templates, Automationen und Szenen für einen Bereich. Das macht die Konfiguration wartbar und nachvollziehbar.
Abgedeckt ist inzwischen fast das gesamte Haus: im Erdgeschoss Bad, Flur, Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, WC und die beiden Kinderzimmer. Im Keller Waschküche, Vorratsraum, Heizungsraum und Technikraum. Draußen der Garten mit dem Pool. Das Obergeschoss mit den Arbeitszimmern und dem Bad ist noch nicht an den KNX-Bus angeschlossen — der Altbestand wartet noch auf seine Sanierung. Dort helfen Zigbee-Sensoren, Shellys, Tür-/Fenstersensoren und Zigbee-Thermostate an den Heizkörpern, um zumindest eine Grundabdeckung zu erreichen.
homeassistant/
└── packages/
├── system/ # Globale Gruppen, Präsenz, Sicherheit
├── eg_bad/ # EG · Bad
├── eg_flur/ # EG · Flur
├── eg_kind_1/ # EG · Kinderzimmer 1
├── eg_kind_2/ # EG · Kinderzimmer 2
├── eg_kueche/ # EG · Küche
├── eg_schlafzimmer/ # EG · Schlafzimmer
├── eg_wc/ # EG · WC
├── eg_wohnzimmer/ # EG · Wohnzimmer
├── og_arbeitszimmer_1/ # OG · Arbeitszimmer 1
├── og_arbeitszimmer_2/ # OG · Arbeitszimmer 2
├── og_bad/ # OG · Bad
├── aussen/ # Außen · Garten & Pool
├── ug_waschkueche/ # UG · Waschküche
├── ug_vorratsraum/ # UG · Vorratsraum
├── ug_heizungsraum/ # UG · Heizungsraum
└── ug_technik/ # UG · Technik
# Beispiel: eg_bad/
├── eg_bad_heating_system_climate.yaml
├── eg_bad_light.yaml
├── eg_bad_presence_occupancy.yaml
├── eg_bad_security.yaml
└── eg_bad_window_management.yaml
Automationen: Was das System heute kann
Die Liste der laufenden Automationen ist über die Zeit gewachsen:
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Infrarotheizungen im Bad — zeit- und präsenzgesteuert
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Fenster-Überwachung — Benachrichtigung bei offenem Fenster nach Zeitintervall
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Tag-/Nacht-Umschaltung — Lichter und Displays dimmen sich automatisch ab
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An-/Abwesenheitserkennung — für Haus und einzelne Räume
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Müllabfuhr-Erinnerungen — Benachrichtigung vor anstehenden Entleerungen
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Rollladensteuerung — zentral und raumindividuell
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Licht-Restore — vergessenes Licht schaltet sich aus; kommt jemand zurück, wird der letzte Zustand wiederhergestellt
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Szenenmanagement — KNX kennt keine Szenen-Rückmeldung, HA übernimmt Erkennung und Visualisierung
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Schlaferkennung — Handy lädt nach 22 Uhr und Licht aus: das System erkennt die Absicht
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Alarmo — Scharfschalten/Entschärfen integriert
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Waschmaschinen-Automatik — Abschaltung nach Programmende; beim Betreten der Waschküche schaltet das Licht an und die Maschine wird wieder eingeschaltet
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Drucker-Monitoring — Meldung bei leerem Toner
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Lottozahlen — der Klassiker, natürlich darf er nicht fehlen
Präsenzerkennung: Die schwierigste Disziplin
Einer der komplexesten Teile ist die raumbasierte Präsenzerkennung — insbesondere ohne BLE. Die aktuelle Lösung arbeitet mit einer gewichteten, zeitbasierten Logik:
Ein Präsenzmelder-Signal zählt nur dann, wenn der Melder innerhalb eines definierten Zeitfensters zuletzt aktiv war. Das verhindert, dass vergessene Zustände — Musik läuft, Licht ist an, aber die Person ist längst weg — einen Raum dauerhaft als besetzt markieren.
Zusätzlich fließt die Luftfeuchtigkeit als eigenes Signal ein: Ein erhöhter Feuchtigkeitswert nach dem Duschen wird auf einen Score gemappt und verstärkt die Präsenzwahrscheinlichkeit im Bad. Das Ergebnis ist ein Konfidenz-Wert pro Raum, der deutlich robuster ist als ein einzelner Binärsensor.
Der nächste Schritt: KI im Alltag
Seit einiger Zeit nutze ich eine Claude-Subscription und habe einen MCP-Server konfiguriert, der der KI direkten Zugriff auf die HA-Logs gibt. Das verändert die Fehlersuche grundlegend: Statt selbst stundenlang Logs zu wälzen, beschreibe ich das Problem — Claude stellt Rückfragen, liest die relevanten Logs, und gemeinsam erarbeiten wir eine Lösung. Kein Raten mehr, kein Trial-and-Error ins Blaue.
Ein konkretes Beispiel: Claude hat mir geholfen herauszufinden, dass dutzende Entitäten zwar noch in der Konfiguration existierten, aber längst durch neuere abgelöst und nicht mehr verwendet wurden. Das klassische „Kann das weg, oder ist das Kunst?"-Problem — gelöst durch systematische Analyse.
Neue Automationen entstehen jetzt häufig im Dialog: Ich beschreibe das gewünschte Verhalten, Claude hilft beim Template, ich passe an, prüfe, committe.
Ein größeres gemeinsames Projekt war die vollständige Dokumentation der gesamten HA-Konfiguration. Pro Raum und Themenbereich eine Markdown-Datei — mit einheitlicher Struktur: ASCII-Flussdiagramm der Logik, Entitäten-Tabelle mit Herkunft und Rolle, Beschreibung der Automationen, und ein Crosscheck aller KNX-Gruppenadressen gegen die Master-Adressliste. Am Ende standen über 60 Dokumentationsdateien, quer durchs ganze Haus. Dabei sind auch ein paar echte Bugs aufgetaucht — falsche Entity-IDs, fehlende Adressen, eine kaputte Rollladen-Automation die nie funktioniert hatte. Alles gefunden, alles gefixt.
Fazit: Eine Reise, kein Ziel
Home Automation ist kein Projekt mit Abschlussdatum. Es ist ein lebendes System, das mit dem Haus wächst. Was als einfacher KNX-Bus begann, ist heute eine durchstrukturierte, versionierte, KI-gestützte Plattform — verteilt über drei Etagen und ein Dutzend Räume.
Das Obergeschoss wartet noch. Die alten Automationen warten auf Refactoring. Und irgendwo liegt sicher noch ein Sensor, der auf Integration wartet.
Wenn ich heute noch mal von vorne anfangen würde, würde ich vieles anders machen. Was ich aber auf jeden Fall von Anfang an dabei haben würde: Claude. Schon bei der Planung. Das spart eine Menge Umwege.
Meine Frau nennt das liebevoll „mit der Eisenbahn spielen". Sie hat nicht ganz Unrecht — ich fühle mich beim Tüfteln manchmal wie mein Opa vor seiner Modellbahn, nur eben auf dem Sofa, Laptop auf den Knien. Aber der WAF steigt von Tag zu Tag. Am deutlichsten zeigt sich das auf Reisen: plötzlich muss das Licht wieder manuell geschaltet werden, und es geht nicht einfach von selbst — so wie zu Hause. Der Kommentar dazu fällt entsprechend aus.
Genau das macht es für mich interessant.
Wie sieht eure Reise aus? Seid ihr auch über OpenHAB gestolpert, oder direkt bei Home Assistant eingestiegen? Und wie handhabt ihr Versionierung und Backups — oder tippt ihr noch Zitternd direkt in den File Editor? Ich bin gespannt.
Gruß
Carsten



