Hallo @rapahl
danke für deinen ausführlichen Beitrag. Deine Lösung kann für deine konkrete Anlage funktionieren, verfolgt jedoch ein anderes Ziel und ist daher nicht mit “netzdienlich Laden” wie es von SMC (Teil von SFML) definiert wird, im live- Handbuch beschrieben, im Forum vorgestellt wurde zu nicht gleichzusetzen / vergleichen!
Daher muss ich hier etwas ausführlicher werden um die Unterschiede klar zu benennen.
Deine Steuerung basiert auf festen Vorgaben:
- Optimierung ab 12:00 Uhr
- vorher maximal 250 Watt Akkuladung
- anschließend festgelegte Ladeleistungen
- feste Grenzen für Solarprognose und Akkustand
- zusätzliche Logik über Templates und Node-RED
Das ist eine individuell auf 12 kWp PV, 10 kWh Speicher, Wärmepumpe und große Heizstäbe abgestimmte Regelung. SMC arbeitet grundlegend anders.
SMC steuert die Netzladung selbst
SMC liefert nicht nur einen Sensorwert oder eine Empfehlung. Es steuert die Netzladung des Akkus selbst.
Dafür benötigt der User:
- keine eigenen Lade-Templates,
- keine zusätzlichen Automationen,
- keinen Node-RED-Flow,
- keine festen Ladezeiten,
- keine selbst entwickelten SOC-Tabellen,
- und keine manuell abgestimmten Leistungsstufen.
SMC entscheidet eigenständig:
- laden,
- warten,
- oder nicht laden.
Zusätzlich berechnet der AI-Stack, wie viel Energie tatsächlich geladen werden soll. Das Ziel ist ausdrücklich nicht, den Akku bei einem vermeintlich günstigen Preis möglichst schnell auf 100 Prozent zu bringen.
Der Akku wird als aktiver Teil des Energiesystems betrachtet
SMC behandelt den Speicher nicht als passiven Behälter, der bei jeder Gelegenheit gefüllt wird. Der Akku ist ein aktiver Teil der gesamten Energiekette und das Ziel ist es kosteneffizient zu laden / entladen.
Für jede Entscheidung werden gemeinsam betrachtet:
- aktueller Akkustand,
- erwarteter Verbrauch,
- PV-Prognose für heute und morgen,
- aktuelle und zukünftige Strompreise,
- verfügbare Ladezeit,
- mögliche Ladeleistung,
- benötigte Energiemenge,
- AC→DC→AC-Verluste,
- Eigenverbrauch des Speichersystems,
- leistungsabhängiger Wirkungsgrad des Wechselrichters,
- sowie möglicherweise günstigere Preise im weiteren Prognosezeitraum.
Reichen Akkustand und erwartete PV-Produktion aus, wird nicht aus dem Netz geladen.Ist später ein günstigerer Preis verfügbar, wartet SMC.
Drohen dagegen teure Stunden und reicht die vorhandene Energie voraussichtlich nicht aus, lädt SMC vorher genau die wirtschaftlich benötigte Menge.
Der Akku wird somit nicht einfach vollgeladen. Es bleibt möglichst ausreichend freie Kapazität für den späteren PV-Ertrag erhalten und SMC kann die Ladung über mehrere Zeitfenster am Tag verteilen um die optimale Wirtschaftlichkeit zu erreichen.
Denn: Ein günstiger Einkaufspreis reicht nicht aus
Der Einkaufspreis kann nicht direkt mit den später vermiedenen Netzbezugskosten verglichen werden. Eine für 20 ct/kWh geladene Kilowattstunde kostet beim späteren Verbrauch aus dem Akku nicht mehr 20 ct/kWh. Ladeverluste, Entladeverluste Wirkungsgrade, Verlust durch Teillastbereiche, Eigenverbrauch des BMS / WR / Kabellängen/.. müssen ebenso betrachtet werden.
Bei einem Gesamtwirkungsgrad von beispielsweise 80 Prozent entstehen aus 20 ct/kWh bereits mindestens 25 ct/kWh für die tatsächlich nutzbare Energie!
SMC bewertet deshalb die effektiven Kosten der Energie, die später wieder aus dem Akku zurückgeliefert wird.
Dadurch kann SMC auch einen nominell günstigen Preis ablehnen, wenn die Speicherung nach allen Verlusten unwirtschaftlich wäre.
Eine einfache Preisschwelle oder feste Uhrzeit kann diese Bewertung nicht leisten. - Ohne die lokale KI von SFML, oder mit einer Automation ist das nicht zu machen!
Eine feste Mittagszeit ist kein verlässliches Marktsignal
Die Annahme, Strom werde immer ungefähr zur gleichen Uhrzeit günstig, ist für dynamische Tarife zu pauschal und inkorrekt. Gerade an Wochenende oder Schlechtwetter-Phasen.
Der günstigste Zeitraum kann also abhängig von Wetter, Wochentag, Verbrauch, Windstrom und Marktsituation deutlich variieren. Ein Preis, der um 12 Uhr günstig erscheint, kann zwei Stunden später noch niedriger sein.
SMC bewertet deshalb den verfügbaren Prognosezeitraum (48 Std). Wenn in zwei Stunden ein Preis knapp unter der Schwelle liegt, vier Stunden später aber ein wesentlich niedrigerer Preis erwartet wird und der Energiebedarf das Warten erlaubt, lädt SMC nicht sofort. Eine Preisschwelle ist also kein verlässlicher Grund (!!) SMC ist kein einfacher Ein-/Ausschalter.
Gerade im Winter entsteht ein wesentlicher Vorteil
Die Aussage, eine intelligente Speichersteuerung sei im Wesentlichen nur im Sommer relevant, trifft auf SMC nicht zu.
Eine Steuerung, die lediglich PV-Ladung in die Mittagsstunden verschiebt, ist tatsächlich hauptsächlich eine Sommerstrategie. SMC ist jedoch eine wirtschaftliche Netzladesteuerung und kann gerade im Winter einen erheblichen Mehrwert bieten.
In den Wintermonaten:
- ist wenig oder keine PV-Energie verfügbar,
- wird der Akku häufiger vollständig entladen,
- entsteht ein größerer Netzbezug,
- treten erhebliche Preisunterschiede zwischen einzelnen Stunden auf,
- und kann gespeicherte günstige Netzenergie später teuren Netzbezug ersetzen.
SMC kann beispielsweise Energie in einer günstigen Nacht- oder Mittagsstunde laden und damit einen hohen Preis am Morgen oder Abend vermeiden. Es tut das jedoch nur, wenn der Preisunterschied nach Berücksichtigung sämtlicher Speicherverluste tatsächlich ausreicht.
Gerade bei dynamischen Stromtarifen ist das ein wichtiger wirtschaftlicher Vorteil. Der Speicher wird nicht nur auf PV-Ladung reduziert, sondern ganzjährig als aktiver Bestandteil der Energieversorgung eingesetzt.
Das gezeigte Template ist anlagenspezifisch
Dein Template enthält zahlreiche feste Schwellen und teilweise überlappende Bedingungen.
Beispiele:
- Bei mindestens 25 kWh Restprognose trifft
SOC <= 50 oder SOC >= 30 praktisch auf jeden Akkustand zu.
- Bei mindestens 19 kWh trifft
SOC <= 70 oder SOC >= 70 ebenfalls immer zu.
- Bereits bei nur 1 kWh verbleibender Solarprognose und niedrigem SOC können außerhalb des Mittagsfensters 3.000 Watt angefordert werden.
- Wenn keine vorherige Bedingung greift, werden pauschal 4.500 Watt ausgegeben.
Das Verhalten hängt dadurch stark von Reihenfolge und Überschneidung der Bedingungen ab. Zusätzlich wird Node-RED benötigt, damit die Heizstäbe nicht versehentlich Energie aus dem Akku beziehen.
Eine solche Lösung muss für jede Anlage individuell entwickelt, verstanden, abgestimmt und bei Änderungen erneut angepasst werden.
Hier besteht ein wesentlicher Unterschied! SMC ersetzt diese statische Regelstruktur durch eine wiederkehrende wirtschaftliche Berechnung und übernimmt anschließend selbst die Steuerung.
Besonders relevant für Balkonkraftwerke
Eine Lösung für 12 kWp PV, 10 kWh Speicher und Heizstäbe mit mehreren Kilowatt lässt sich nicht direkt auf ein Balkonkraftwerk oder andere Anlagen übertragen.
Bei Balkonkraftwerken zum Beispiel bestehen typischerweise:
- deutlich geringere PV-Leistungen,
- kleinere Speicher,
- begrenzte Ladeleistungen,
- ein stärkerer Einfluss des laufenden Hausverbrauchs,
- relativ höhere Speicher-Eigenverbräuche,
- und selten große, über Stunden verfügbare Mittagsüberschüsse.
Eine pauschale Mittagsregel kann dort freie Speicherkapazität blockieren oder zu spät reagieren. SMC berechnet deshalb den konkreten Energiebedarf und entscheidet, ob eine Netzladung trotz aller Verluste wirtschaftlich ist.
Gerade bei einem kleinen Speicher ist es wichtig, nicht unnötig vollzuladen.
Sure Plus ist eine unabhängige Zusatzfunktion (vielleicht hast Du SMC damit verwechselt)
Die Nutzung eines echten PV-Überschusses ist nicht die Aufgabe von SMC. Dafür gibt es unabhängig davon Sure Plus.
Sure Plus erkennt, ob nach Versorgung der eigenen Systeme und nach Berücksichtigung des Akkus tatsächlich Solarenergie übrig bleibt. Dieser reale Überschuss kann beispielsweise für einen Heizstab oder andere steuerbare Verbraucher verwendet werden, bevor die Energie ins Netz eingespeist wird und später womöglich teurer zurückgekauft werden müsste.
SMC und Sure Plus erfüllen damit unterschiedliche Aufgaben:
- SMC optimiert die wirtschaftliche / schonende Netzladung des Akkus.
- Sure Plus nutzt einen tatsächlich vorhandenen PV-Überschuss vor der Netzeinspeisung. (Natürlich auch vom Hubble KI-Stack überwacht.
Fazit
Deine Lösung ist eine auf deine Anlage abgestimmte, zeit- und schwellenbasierte Steuerung. SMC ist dagegen eine unmittelbar steuernde, prognosegestützte Wirtschaftlichkeitsoptimierung, die fortlaufend entscheidet, ob, wann und wie viel Netzenergie gespeichert werden soll. Das sind weder derselbe Funktionsumfang noch derselbe Automatisierungsgrad.
Der Unterschied lässt sich einfach zusammenfassen:
Eine feste Regel sagt:
Ab einer bestimmten Uhrzeit lade ich mit einer festgelegten Leistung.
SMC berechnet:
Benötige ich zusätzliche Energie, wann ist sie nach Berücksichtigung aller Verluste tatsächlich am günstigsten und wie viel davon soll geladen werden?
Das ist nicht dieselbe Funktion und nicht derselbe Automatisierungsgrad.
Hinzu kommt noch die Überwachung.. STATS bietet eine klare und verständliche Darstellung was passiert:
Viel mehr noch.. Hubble KI-Stack hilft bei der Entscheidung ob es sich lohnt einen größeren Akku zu kaufen..
Zara
PS:
Natürlich kann man SMC und S-PLUS auch kombinieren.. Also die Wirtschaftliche Effizienz mit dem persönlichen Wunsch den Akku darüber hinaus zu laden.. S-PLUS verfügt über eine gedämpfte Regelung um ständiges Schalten zu vermeiden und stellt einen Schalter bereit (an/aus) das wäre dann eine einfach HA Automation ohne Template, YAML, Node,..
UND:
Sowohl GPM, SMC, S-Plus haben eigenen Sensoren die man nach belieben für Template nutzen kann (oder Automationen).. das ist m.E. die maximale Freiheit es genauso zu machen wie man es für sich selber braucht.. möchte.